Rühn/Sage


Sagenhaftes über Ruehn


Die Nonne

Die Mauern des altehrwürdigen Zisterzienserkloster zu Rühn erzählen so manche Geschichte aus alter Zeit, aber nicht jeder versteht die Sprache der Steine.
Dort soll sich einst folgendes zugetragen haben: "In grauen Vorzeiten hatte eine dortige Nonne ihr Herz dem jungen Ritter von Bülow zugetan, das aber schon vordem, als sich der Vater wegen Ersparnis entschloss, sein adliges Kind für immer in die herbe Abgeschiedenheit des Klosters zu geben. Der junge Rittersmann aber wollte dieses Schicksal, das ihn so unglücklich machte, nicht erleiden, ungestüm zog es ihn in die Nähe seiner geliebten. Er verdingte sich darum unerkannt zur Arbeit auf dem Klosterhofe, einen heimlichen Zugang zu ihrem Gemach im Kreuzgang zu erkunden. Während Sturm und Regen in kalter Herbstnacht unermüdlich am festen Gemäuer des alten Klosters rüttelten, schlich er auf heimlichen Wege ins Schlafgemach seiner Liebsten, groß und heiß war das langersehnte Wiedersehen. Den morgendlichen Abschied aber beobachtete eine alte Ordensschwester, und sie teilte der gestrengen Priorin folgsam ihr Gewahrnis mit, denn Besuch einer Mannesperson war im Kloster streng verboten. Kurzerhand wurde die Beschuldigte zur Anhörung befohlen. Unter Tränen offenbarte jene freimütig ihr Herzeleid und äußerte den innigsten Wunsch, gütigst in die Weltlichkeit entlassen zu werden. Unbarmherzig aber erinnerte die Priorin an das jüngst abgelegte Gelübde, lebenslang dem Herrn dienen zu wollen. Einer Klosterjungfrau stehe es folglich nicht frei, in den weltlichen Ehestand zu treten. Strengstens wurde daraufhin den Verfehlungen der jungen Nonne nachgegangen, und der Bischof zu Bülow sprach, anderen zu heilsamen Belehrung, sie müsse diesen Frevel mit dem Leben büßen. Da aber die verurteilte die Frucht ihrer Liebe unter dem Herzen trug, wurde die Hinrichtung ausgesetzt und schärfste Bewachung angeordnet. Von all dem erfuhr der junge Rittersmann, und er beschloss in seiner tiefen Not, die Unglückliche gewaltsam aus dem Kloster zu holen. Als er im Schutze der Nacht die Klostermauer überstieg, lagen Landknechte auf der Lauer, und ein Zielsicherer Armbrustpfeil durchbohrte sein verzweifeltes Herz. Tot fiel der liebende Rittersmann ins taunasse Gras. Die Nonne durfte noch gebären, das Balg übergab man einer nichtsahnenden, kinderlosen Blöden. Die zum Tode bestimmte aber ward darauf lebendig in eine Nische der Klosterwand gemauert. Ihre klagende Stimme soll noch heute in mondklaren Nächten auszumachen sein. So ereilte die junge Nonne und den Rittersmann die Strafe der Gerechtigkeit, denn sie hatten schwere Sünde getan."

 

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