Baumgarten

Geschichtliches über Baumgarten


Das Stiftsdorf Bomgarde (Baumgarten) wurde erstmalig am 8. Juli 1233 urkundlich erwähnt. Der Name besteht aus zwei Stämmen. Das Grundwort Garten (Niederdeutsch Garde) deutet auf die Art der Bodenbearbeitung in dem Ort hin. Große Gärten mit ausgeprägtem Baumbestand gaben dem Dorf wahrscheinlich seinen Namen. Baumgarten ist ein für die Siedlungslandschaft im Osten typisches Angerdorf mit mehreren Zufahrten und einem ovalen Dorfplatz, wo sich eine Kirche und ein Dorfteich befanden. Bis ins 16. Jahrhundert trug der Ort den niederdeutschen Namen Bomgarde. Als sich aber in Mecklenburg das Nordhochdeutsche als Amts- und Schriftsprache immer mehr durchsetzte, entstand der heutige Name. Die Baumgartener Kirche stand unter bischöflicher Hoheit und war dem Rühner Kloster unterstellt. Bis 1580 hatte das Amt Warin die Bede, den Burgdienst und die höchste Gerichtsbarkeit in Baumgarten. In diesem Jahr gingen durch Schenkung Wariner Anteile an das Kloster Rühn über. Das Ende der Leibeigenschaft in Mecklenburg 1821 machte die Neuordnung der Fluren zur Verpachtung erforderlich. Bis 1852/53 waren die Bauern nur von der Großherzoglichen Kammer eingesetzte, nicht erbberechtigte Hauswirte. Nach der Neuregelung in diesem Jahr wurden sie zu Erbpächtern, einer der Söhne, meist der Erstgeborene, war erbberechtigt. Ab 1872 konnten die Erbpächter ihre Hofstellen, die zwischen 36 und 39 Hektar groß waren, vom Großherzog erwerben. Ausgenommen waren Waldstücke, die bis 1919 im Großherzoglichen Besitz blieben.

Weitere Daten:

1869 Gründung einer Industrieschule für Mädchen
1870 Bau eines Armenhauses mit 4 Wohnungen
1873 Bau einer Holländerwindmühle
1887 Gründung Molkereigenossenschaft, 1888 Bau Molkerei
1892 Gründung einer Privatschule, 1910 Auflösung
1922 Elektrifizierung des Ortes
1936 Gründung der Feuerwehr, seit 1872 Handdruckspritze im Ort
1950 Umgemeindung von Wendorf und Laase nach Baumgarten
1952 Einrichtung Kindergarten, Fertigstellung neues Schulgebäude
1976 Zentrale Wasserversorgung abgeschlossen

Die Feuerwehr von Wiendorf


Vor 1872 musste jeder Einwohner im Alter von 16 bis 60 Jahren, wenn er körperlich in der Lage war, Katastrophen leisten. Die Bauern mussten Gespanndienste zur Verfügung stellen. Im Sommer 1872 wurde von der Dorfschaft eine von Pferden gezogenen Handdruckspritze und zwei Wasserwagen mit je 500 Litern Fassungsvermögen angeschafft. 1873 wurde dann das Spritzenhaus mit einem Turm zum trocknen der Schläuche gebaut. Am 05. Juli 1937 wurde der Wehr in Aussicht gestellt, dass sie zum Jahresende mit einem neuen Löschfahrzeug vom Typ LF8 ausgestattet wird. Für das neue Fahrzeug war das alte Spritzenhaus von 1873 aber zu klein. Dreimal jährlich wurden Feuerschauen zu Ostern, zu Michaelis (29. September) und zu Weihnachten durchgeführt. Feuerlöschgeräte wie zum Beispiel: - Feuerhaken mit einem Stiel von 20 bis 24 Fuß Länge, - Feuereimer, - Feuerleiter, - Feuerküfen (Wasserkübel) waren ständig zu unterhalten. Bis zum Jahre 1938 waren die oben genannten Geräte im alten Kutscherstall von Baumgarten untergebracht. Dieser wurde dann zum Dorffest hin abgerissen, da er sehr baufällig war. Jeder Pachthof musste die bestimmten Feuerlöschgerätschaften an einem bestimmten Ort aufbewahren. Während des Sommers musste stets daneben ein mit Wasser angefüllter Wasserbehälter stehen. Zum Kriegsbeginn 1939 wurden alle kriegsfähigen Männer eingezogen. Im Frühjahr 1943 hatte sich die Gemeinde entschlossen eine Motorspritze FS8 anzuschaffen. Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten der Motorspritze war wohl auch die Entschlammung des Dorfteiches im Jahre 1938, wozu die Rühner Motorspritze ausgeliehen wurde. Die im Jahre 1943 gekaufte Motorspritze FS8 war von der Roten Armee konfisziert worden, somit stand nur noch die alte Handwerksspritze zu Verfügung. Nach Kriegsende gab es wie überall keine technischen Mittel um Brände zu bekämpfen, das Schlauchmaterial war auch nicht mehr das Beste. Nun wurde von überall Geräte und Armaturen, die in irgendeiner Weise etwas mit der Feuerwehrtechnik zu tun gehabt haben, zusammengesucht. Im Jahr 1945 machte man im Schuppen in Bützow eine alte FS8 ausfindig. Eine alte Protze (Militärfahrzeug) die noch aus der Zeit der Wehrmacht stammte wurde zu einem Mannschaftswagen umgerüstet, das man sowohl Pferde als auch einen Traktor als Zug nehmen konnte. 1955 wurde dann die Feuerwehrkapelle ins Leben gerufen. Nach Jahren schrumpfte die Kapelle mehr und mehr. Im Jahre 1958 wurde mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses begonnen. Am 13. Juni 1963 wurde im Baumgarten eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Damals waren 22 Einwohner bereit freiwillig als Kamerad ihren Dienst zu leisten. Im Jahre 1963 wurde in der Wehr Baumgarten eine Frauengruppe zum vorbeugenden Brandschutz gegründet. 15 Mitglieder gehörten ihr an. 1965 hat sich die noch vorhandene Feuerwehrkapelle mit den Kameraden aus Jürgenshagen und Bützow zusammen. 1966 wurde dann der Schulungsraum am Gerätehaus fertiggestellt. Ein neues Löschfahrzeug bekam die Freiwillige Feuerwehr Baumgarten 1966, es war ein LKW der Marke LF8 / ROBUK. Zum Wettbewerb 1969 "Schöner unsere Städte und Gemeinden" wurde die Umgebung des Gerätehauses von den Kameraden neu gestaltet. Die Freiwillige Feuerwehr Baumgarten feierte am 04. Juli 1973 das 100 jährige Bestehen der organisierten Brandbekämpfung in Baumgarten. Die Frauengruppe der Wehr bat aus Altersgründen um die Aufhebung der Mitgliedschaft, da das Durchschnittsalter bis 56 Jahren lag. Das Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr jährte am 13. Juli 1983 zum 50 zigsten Mal. Die Freiwille Feuerwehr Baumgarten bekam im Jahre 1988 ein neues Löschfahrzeug LF8, einen Schlauchtransportanhänger TSA und einen neuen Tragkraftspritzenanhänger TS8. Im Jahre 1994 entstand ein neues Gerätehaus, hierfür wurde das alte Werkstattgebäude der ehemaligen LPG umgebaut. Am 02.April 1994 wurde eine Jugendgruppe der Feuerwehr gebildet. Ein 60 jähriges Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr in Baumgarten mit Festsitzung gab es dann am 13. Juni 1996.



Die Kirche von Baumgarten


Die Kirche in Baumgarten wurde am 8.Juli 1233 erstmals erwähnt. Sie ist ein Feldsteinbau und bildet ein einschiffiges längliches Viereck.


Unter dem Turm mit Pyramidenhelmdach bestehen die Stockwerke aus Granitfelsen. Im etwas jüngeren Stockwerk, ein Fachwerkbau, befindet sich der Glockenstuhl, der Platz für zwei große und eine kleine Glocke hat.




An der Südseite des Kirchenturmes befindet sich das Ziffernblatt der Turmuhr, einer Uhr mit Stundenglocke, welche in Mecklenburg sehr selten zu finden ist. Die Turmuhrglocke wurde 1912 draußen auf das Kirchenschiffdach aufgesetzt.

Fenster und Portal haben noch ihren alten Spitzbogenschluss. Innerhalb der Kirche befand sich ein gotischer Flügel-Altar. Vor der Restaurierung gab es in einigen Fenstern Glasmalereien, die Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament zeigten.


1891 wurde dann auf Drängen vom Pastor Fr. Westphal der Auftrag erteilt, die Kirche von innen zu erneuern. Am 9.Oktober 1892 wurde die neu ausgebaute Kirche eingeweiht.


Im Jahre 1880 war die Kirche so vom Einsturz bedroht, dass die Gottesdienste in der Schule gehalten wurden. Der neue Altar ist mit einem Bild vom Maler Krause aus Wismar geziert und zeigt den Auferstandenen mit der Siegesfahne. Die pneumatische Orgel stammt vom Orgelbaumeister Schwarz aus Rostock. Der komplette Innenausbau wurde im neugotischen Stil gehalten. Die alte Glocke musste auf Anordnung des Militärfiskus am 31.Juli 1917 zum Einschmelzen für Kriegsmaterial abgeliefert werden. Erst 1928 bekam die Kirche eine neue Glocke , die wiederum im Januar 1945 abgeliefert werden musste. Zur 750 Jahrfeier 1983 wurde die alte Turmuhr wieder in Gang gebracht. Eine neue Wetterfahne wurde angefertigt und auf die Turmspitze aufgesetzt. Von 1984-1985 wurden die Seiten des Kirchturmdaches neu eingedeckt. Im August 1993 wurde das Altarfenster durch Kinder stark beschädigt. Das zerstörte Fenster wurde ausgebaut und nach aufwendiger Instandsetzung im Juni 1995 wieder eingesetzt.

 

Seitenanfang